AMANDA ALMIRA NEWTON|11 MIN. LESEZEIT

Wer war Amanda Almira Newton?

32 Jahre lang malte eine Künstlerin Obst aus amerikanischem Anbau für das US-Landwirtschaftsministerium. Ihre Aquarelle dokumentieren Äpfel, Trauben und Orangen so genau, dass sich ein langer Blick bis heute lohnt.

TEXT MORYARTY

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Amanda Almira Newton, Bananen (Musa Guincos Finget), Aquarell (MeisterDrucke 1527111)

Amanda Almira Newton illustrierte Obst und arbeitete von 1896 bis 1928 für das US-Landwirtschaftsministerium. In diesen 32 Jahren malte sie mehr als 1.200 Aquarelle, überwiegend von Äpfeln, für die USDA Pomological Watercolor Collection. Die Sammlung ist ein umfassendes Bildarchiv zum Obstbau in den USA. Ihre Aquarelle halten einzelne Exemplare von Orangen, Trauben, Avocados und Walnüssen dauerhaft fest. Die Originale bewahrt die National Agricultural Library auf; als botanische Drucke sind ihre Werke auch an Wänden zu sehen.

Vier Studien zeigen, wie vielfältig ihre Arbeit war. Diese Studie von Citrus nobilis aus dem Jahr 1908 entstand früh in ihrer Laufbahn, diese Avocado von 1916 später. Eine grüne Weintraube und eine rote Weintraube von 1912 zeigen, wie sie dieselbe Frucht in zwei eigenständigen Studien erfasste. Das Ministerium beschäftigte sie so lange, weil jede Frucht so genau dokumentiert werden sollte, dass spätere Betrachter eine Sorte von der anderen unterscheiden konnten.

Citrus nobilis
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Grüne Weintraube
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Avocado, Persea
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Rote Weintraube im Vintage-Stil
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Warum brauchte das US-Landwirtschaftsministerium Bilder von Obst?

Das US-Landwirtschaftsministerium entstand 1862, mitten im Bürgerkrieg, als Abraham Lincoln das entsprechende Gesetz unterzeichnete. Sein erster Landwirtschaftskommissar war Isaac Newton, ein Landwirt mit praktischer Erfahrung, nicht der gleichnamige englische Physiker. Isaac Newton war der Großvater von Amanda Newton. Er leitete die Behörde bis zu seinem Tod im Jahr 1867.

Im späten 19. Jahrhundert verkauften amerikanische Baumschulen Hunderte Apfel-, Birnen-, Pfirsich- und Traubensorten mit eigenem Namen. Viele dieser Namen bezeichneten je nach Bundesstaat etwas anderes. Ein Name allein konnte weder die Farbe einer reifenden Birne noch die Berostung einer Apfelschale festhalten. Obstbauern und Forschende brauchten eine verlässliche Dokumentation, die auch dann noch galt, wenn sich die Frucht veränderte oder nicht mehr vorhanden war.

Pomologisches Aquarell POM00004431
Amanda Newton (gemeinfrei). Wikimedia. Quelle

Genau dafür legte die USDA ihre Obstsammlung an. Zu jedem Aquarell hielt sie den Namen der Frucht, ihre Herkunft und das Entstehungsdatum fest. So konnten Forschende in Washington Obst aus Oregon, Michigan und Georgia vergleichen, ohne Berge verderbender Früchte auf ihren Schreibtischen lagern zu müssen. Auch Obstbauern konnten ihre Ernte anhand der Bilder überprüfen.

Ein Aquarell hatte gegenüber der Frucht selbst einen Vorteil: Es bewahrte sichtbare Merkmale auch dann noch, wenn das Exemplar längst verschwunden war. Die Krümmung eines Stiels, die Flecken auf einer Schale und der feine Duftfilm einer Traube blieben über Jahrzehnte auf dem Papier erhalten. Für eine Behörde, die verstehen wollte, was amerikanische Obstgärten tatsächlich hervorbrachten, war diese Beständigkeit weit mehr wert als die Arbeitszeit einer Malerin.

Welche Rolle spielte sie im Obstarchiv der USDA?

Newton kam 1896 zur USDA, zehn Jahre nachdem die Sammlung begonnen hatte, Gestalt anzunehmen. Sie blieb bis 1928 und arbeitete damit länger für das Archiv als die meisten anderen Künstlerinnen und Künstler. Das Programm begann 1886 und lief auch nach ihrem Ausscheiden weiter. Andere hatten schon vor ihr daran gearbeitet; wieder andere setzten es nach ihr fort.

Im Laufe ihrer Karriere schuf sie mehr als 1.200 Aquarelle; die allermeisten davon zeigten Äpfel. Das ist ein beträchtlicher Teil einer Sammlung, die heute weit über 7.000 Bilder umfasst. Über rund drei Jahrzehnte kamen die Blätter stetig hinzu, Jahr für Jahr, Frucht für Frucht.

Amanda A. Newton, Evening Star, Sonntag, 23. Mai 1915 (Ausschnitt)

Im Obstarchiv arbeitete sie mit einem kleinen Team zusammen, darunter mehrere Frauen. Wissenschaftliche Behörden boten Frauen damals nur wenige feste Stellen. Deborah Griscom Passmore, Mary Daisy Arnold und Ellen Isham Schutt malten viele der bekanntesten Blätter der Sammlung; ihre Dienstzeiten überschnitten sich mit der von Newton.

Weil die Sammlung als gemeinsames wissenschaftliches Nachschlagewerk gedacht war, wurden die einzelnen Künstlerinnen und Künstler meist nicht durch sie bekannt. Newton signierte ihre Arbeiten, doch ein Blatt sollte die Frucht dokumentieren, nicht die Malerin bekannt machen. Das macht ihre Geschichte heute interessant: Sie ist als Person in einem System erkennbar, das anonyme, austauschbare Aufzeichnungen hervorbringen sollte.

Warum malte sie so viele Äpfel?

Die einfache Antwort: Es gab so viele Äpfel zu malen. Um 1900 hatte der amerikanische Obstbau Tausende Apfelsorten mit eigenem Namen hervorgebracht. Das Wort „Apfel“ bezeichnete Früchte, die sich kaum ähnelten. Eine Sorte konnte klein, grün und säuerlich sein, eine andere groß, rot gestreift und süß. Zur Bestimmung reichte der Name allein nicht aus.

Ein Aquarell konnte die entscheidenden sichtbaren Merkmale festhalten: die Form der Frucht, Länge und Dicke des Stiels, Beschaffenheit und Farbe der Schale sowie den Sitz des Kelchs am unteren Ende. Zusammen mit dem Sortennamen und einem Hinweis zur Herkunft des Exemplars wurde aus dem Bild ein Arbeitsdokument.

Pomologisches Aquarell POM00002583
Amanda Newton (gemeinfrei). Wikimedia. Quelle

Zwei Apfelstudien in unserem Katalog entstanden im Abstand von fünf Jahren. Diese Studie von Malus domestica aus dem Jahr 1908 zeigt einen roten Apfel. Das Beispiel von 1913 zeigt einen grünen.

Eine Unterscheidung ist dabei wichtig. Die Studie des grünen Apfels von 1913 trägt die Bezeichnung Malus domestica. Das ist der wissenschaftliche Name des Kulturapfels als Art, kein Sortenname. Im ursprünglichen USDA-Archiv sind viele Blätter genauer bezeichnet, etwa mit dem Namen einer bestimmten Handelssorte. Dieser Name findet sich häufig auch im digitalisierten Eintrag. Wenn ein Katalogeintrag nur Malus domestica nennt, bezeichnet das also die Art und sagt nichts darüber aus, welche Sorte gemalt wurde.

Was malte sie außer Äpfeln?

Obwohl Äpfel den größten Teil ihrer Arbeit ausmachen, zeigen Newtons datierte Studien eine viel größere Vielfalt. Citrus nobilis erscheint 1908, Citrus sinensis folgt 1916. Die beiden Namen unterscheiden die Gruppe der Mandarinen von der der Süßorangen. Daran zeigt sich, wie genau das Archiv selbst innerhalb der Zitrusfrüchte vorging.

Trauben sind in den verfügbaren Arbeiten in mindestens zwei Varianten vertreten. Für die grüne Weintraube nennt unser Katalog kein Jahr; sie gilt daher als undatiert. Die rote Weintraube stammt von 1912. Zusammen zeigen die Bilder, warum das Archiv jedes Exemplar einzeln behandelte: Eine grüne und eine rote Traube stellten die Malerin vor unterschiedliche Aufgaben bei Farbe und Licht.

Pomologisches Aquarell POM00004523
Amanda Newton (gemeinfrei). Wikimedia. Quelle

1908 malte sie Früchte der Japanischen Wollmispel am Zweig und eine Frucht des Tamarindenbaums. Eine Mangostane folgte 1915, eine Avocado 1916. Diese importierten und subtropischen Früchte fanden neben den Äpfeln und Birnen amerikanischer Obstgärten Eingang in die Aufzeichnungen der USDA. Das Archiv erfasste, was amerikanische Anbauer und Importeure allmählich kultivierten und auf den Markt brachten.

Hinzu kamen Nüsse und Beeren. Eine Walnussstudie von 1911 und eine Erdbeerstudie von 1912 (Fragaria) zeigen ihre Bandbreite. Unter den datierten Blättern finden sich auch eine Birnenstudie von 1908 und ein Pfirsich von 1911. Die jüngste datierte Arbeit in dieser Gruppe zeigt Kakifrüchte von 1923; eine Grapefruit von 1919 entstand etwas früher. Die Blätter stammen aus den Jahren 1908 bis 1923.

Was trugen ihre Wachsmodelle von Früchten zur Sammlung bei?

Neben mehr als 1.200 Aquarellen fertigte Newton etwa 300 Wachsmodelle von Früchten an. Sie arbeitete also mit Farbe und mit Wachs.

Ein Aquarell zeigt eine Frucht aus einer gewählten Perspektive. Ein Modell lässt sich in der Hand drehen und zeigt die plastische Form der Frucht von allen Seiten. Für Forschende und Obstbauern konnte das nützlich sein. Wie sich eine Birne nach unten verbreitert oder ein Pfirsich an der Schulter abflacht, ließ sich an einem dreidimensionalen Modell leichter untersuchen als an einer einzigen gemalten Ansicht.

Wachs verlangte außerdem eine andere Arbeitsweise. Statt lasierende Farbschichten auf Papier aufzutragen, musste Newton Farbtöne und Lichtreflexe auf einem festen Gegenstand aufbauen. Die Modelle bildeten die Früchte in Originalgröße nach.

Was geschah mit ihren Arbeiten nach ihrer Zeit bei der USDA?

Newtons Tätigkeit für die USDA endete 1928. Das Archiv, an dem sie mitgewirkt hatte, bestand weiter. Ihre Aquarelle blieben in den Unterlagen der Behörde und gelangten schließlich in die Sondersammlungen der National Agricultural Library. Dort werden sie heute zusammen mit den Arbeiten ihrer Kolleginnen und Kollegen aufbewahrt.

Die Digitalisierung hat verändert, wie wir ihre Arbeiten betrachten können. Die National Agricultural Library macht die Obstsammlung online durchsuchbar, mit Bildern, Datumsangaben, Fruchtnamen und, sofern das Originalblatt sie enthält, Angaben zur Herkunft des Exemplars. Heute lässt sich Newtons Bild eines Apfels oder einer Walnuss auch von Europa aus in Sekunden aufrufen. Für den größten Teil der Zeit seit seiner Entstehung wäre das undenkbar gewesen.

Sie signierte ihre Blätter mit A.A. Newton, nicht mit ihrem vollen Namen. Über die Initialen lassen sich ihr die einzelnen Blätter in den Sammlungsunterlagen zuordnen.

So erfüllt die Sammlung zwei Aufgaben. Sie belegt, wie amerikanisches Obst zu einer bestimmten Zeit aussah: Früchte von bestimmten Bäumen, unter wissenschaftlicher Aufsicht dokumentiert. Zugleich zeigt sie die erkennbare Handschrift einer sorgfältigen Künstlerin.

Wo passen gerahmte botanische Drucke zu Hause hin?

Die meisten Obststudien von Newton finden in einer Küche, einem Esszimmer oder einem Flur ihren Platz. Sie können alle Arbeiten in unserer Sammlung von Amanda Almira Newton ansehen. Über einem Esstisch bilden die Zitrusstudie von 1908 und die grüne Weintraube ein gutes Paar, beide in A3 und jeweils mit einem Rahmen aus hellem Kiefernholz. Die Motive stehen ruhig nebeneinander; die hellen Rahmen lassen die Wand nicht schwer wirken.

Diese Küche gehört einem älteren Paar, das seit Jahrzehnten hier lebt.
Gaurav Sharma (Unsplash-Lizenz). Unsplash. Quelle

Für einen stärkeren Akzent eignet sich die Avocadostudie von 1916 in A2 über einer Anrichte in der Küche. Das größere Format passt zu einem breiten Möbelstück. Die Studie zeigt Grün- und Gelbtöne. Wenn Sie Trauben bevorzugen, können Sie die rote Weintraube von 1912 in A3 wählen. Ihr dunkler Weinrotton setzt an der Esszimmerwand einen anderen Akzent.

In einer Frühstücksecke ergeben zwei Studien in A3 ein heiteres Paar. Die Erdbeeren von 1912 sind das vertrautere Motiv, die Früchte der Japanischen Wollmispel am Zweig wirken ruhiger und überraschen eher. Auf Augenhöhe gleichen sie einander aus.

Bei begrenztem Platz eignet sich die Walnussstudie von 1911 in A4 neben einem Schreibtisch oder an einer schmalen Wand, besonders mit einem schwarzen Rahmen aus Kiefernholz. Die Studie in Braun und Weiß passt in eine Schreibtischecke, in der eine farbenfrohe Frucht fehl am Platz wirken würde.

Schon gewusst?

  • Die Pomologie, das Teilgebiet der Botanik, das sich mit Obst befasst, ist nach Pomona benannt, der römischen Göttin der Obstbäume und Obstgärten.
  • Die USDA entstand 1862, im selben Jahr wie der Homestead Act und der Morrill Land-Grant College Act.
  • Hochauflösende Scans der USDA Pomological Watercolor Collection wurden 2015 nach einer Anfrage von Parker Higgins auf Grundlage des Freedom of Information Act veröffentlicht.
  • Bevor die Farbfotografie verlässlich wurde, ließ sich die genaue Farbe einer Fruchtschale für Forschungszwecke am besten mit einem Aquarell festhalten.
  • Die Division of Pomology der USDA, die die Bilder in Auftrag gab, wurde 1886 eingerichtet.
  • Isaac Newton starb 1867 im Amt.

Häufige Fragen zu Amanda Newton

War Amanda Newton mit dem Wissenschaftler Isaac Newton verwandt? Nein. Ihr Großvater Isaac Newton war Landwirt und der erste US-Landwirtschaftskommissar. Der Physiker Isaac Newton starb 1727, lange bevor es die Behörde gab.

Was malte Amanda Newton außer Äpfeln? Sie malte Zitrusfrüchte, Trauben, Birnen, Pfirsiche, Kakifrüchte, Erdbeeren, Walnüsse, Avocados, Früchte der Japanischen Wollmispel, Tamarindenfrüchte und Mangostanen. Zu ihren Arbeiten gehören außerdem etwa 300 Wachsmodelle von Früchten, die wesentlich seltener sind als ihre Aquarelle.

Wo kann ich ihre Originalaquarelle sehen? Die National Agricultural Library der USDA hat die Pomological Watercolor Collection digitalisiert; sie ist online durchsuchbar. Eine Suche nach A.A. Newton führt zu ihren Blättern mit Datumsangaben und Notizen zu den abgebildeten Früchten.

Warum unterscheiden sich die Jahreszahlen ihrer Obstdrucke so stark? Das USDA-Projekt lief über Jahrzehnte ohne Unterbrechung. Eine Zitrusstudie von 1908 und eine Avocado von 1916 stammen aus verschiedenen Phasen desselben langjährigen Vorhabens. Die unterschiedlichen Daten sind kein Widerspruch.

Kann ich ein Poster von Newton fertig gerahmt bestellen? Rahmen werden separat verkauft. Wenn Sie jedoch einen Rahmen zusammen mit einem Poster bestellen, rahmen wir es kostenlos und versenden es fertig gerahmt. Die Möglichkeiten finden Sie in unserer Rahmenauswahl.

Sind die Aquarelle von Amanda Newton gemeinfrei? Ja. Sie entstanden während ihrer Beschäftigung bei der USDA und gelten als Werke der US-Regierung. In den Vereinigten Staaten sind die Originale deshalb gemeinfrei. Darum dürfen hochwertige Reproduktionen frei gedruckt werden.

Poster aus unserer Sammlung


Über den Autor

Bei MORYARTY entdecken wir unsere Poster in Bibliotheken, Museen, privaten Sammlungen und auf Märkten. Anschließend drucken wir sie in unserer Werkstatt in Barcelona auf Fine-Art-Papier in Museumsqualität. Zu den Obststudien von Amanda Newton kehren wir immer wieder zurück: Sie sind genau, sorgfältig ausgeführt und voller Farbe. Ihre Orangen und Äpfel passen heute ebenso gut an eine Küchenwand wie einst auf einen Schreibtisch der USDA.

Quellen

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