Über den Künstler
August Gerasch zeigt die Sommerlinde als Baumart, die sich untersuchen lässt, nicht nur als Baum, den man aus der Ferne betrachtet. Die Gerasch zugeschriebene und auf 1889 datierte botanische Illustration stammt aus einer Zeit, in der gedruckte Pflanzenstudien bei der Bestimmung einer Art halfen. Statt einen bestimmten Ort darzustellen, macht der Vintage-Druck den Baum selbst zum Gegenstand. Gerasch verbindet die ausgewachsene Linde mit Einzelheiten, die man aus der Nähe prüfen kann. So dient dieser botanische Druck aus dem 19. Jahrhundert nicht bloß der Landschaftsdekoration.
Das Kunstwerk
Woran erkennt man eine Sommerlinde, wenn sie nicht blüht? Gerasch nennt nicht nur ihren Namen, sondern zeigt die Pflanze in unterschiedlichen Maßstäben. Als Sommerlinde wird gewöhnlich Tilia platyphyllos bezeichnet, die großblättrige Linde, die in europäischen Parks und Alleen häufig anzutreffen ist. Das Blatt von 1889 folgt dem Aufbau naturkundlicher Illustrationen: Der ganze Baum gibt den Zusammenhang vor, kleinere Merkmale helfen bei seiner Bestimmung. Auch als Vintage-Poster bewahrt das Bild diese Frage nach dem Wiedererkennen, selbst wenn es weit entfernt von einem Ort hängt, an dem man Pflanzen untersucht.
Stil und Merkmale
Eine dichte Krone füllt den größten Teil der oberen Bildhälfte. Zwischen den kleinen grünen Blättern werden dunklere Äste sichtbar. Der Stamm reicht bis zu einem zart angedeuteten Stück Boden; danach wandert der Blick zum blühenden Zweig rechts unten. Über seinen geäderten Blättern sitzen helle Blüten. Gegenüber stehen die Studie eines schlichten Zweigs und zwei ockerfarbene Diagramme. Das cremefarbene Papier gibt diesen Einzelheiten Raum und macht die unterschiedlichen Maßstäbe gut nachvollziehbar. Als Kunstdruck bewahrt die Sommerlinde die feinen Striche einer botanischen Zeichnung, statt auf die großen Formen grafischer Poster zu setzen.
In der Raumgestaltung
In einem Arbeitszimmer können Sie das vertikale Poster über einen schmalen Eichenschreibtisch hängen. Dort hebt sich der cremefarbene Grund von einer warm getönten Putzwand ab. Ein schmaler dunkler Rahmen greift das Braun des Stammes auf, ohne mit den Blattstudien zu konkurrieren. Vom Schreibtischstuhl aus sehen Sie den Baum als Ganzes; wenn Sie näher treten, erkennen Sie die kleinen Pflanzenstudien. Dieser Wechsel der Betrachtungsdistanz gibt dem botanischen Bild in einem Raum zum Lesen einen eigenen Platz. Zwischen den Buchseiten lädt die Linde dazu ein, immer wieder hinzusehen, während der zurückhaltende Rahmen den Schreibtisch im Mittelpunkt der Einrichtung lässt.
